Kampf um Anerkennung: Psychogene Erblindung vor dem OVG Nordrhein-Westfalen

Rainer Schäfer
Rainer Schäfer
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Ein altes Daguerreotyp eines Mannes in einem Anzug, der in einem Stuhl sitzt und einen Stock hält, mit einem ernsten Gesichtsausdruck und konzentriertem Blick.Rainer Schäfer

Psychogene Blindheit: Oberverwaltungsgericht prüft Anspruch - Kampf um Anerkennung: Psychogene Erblindung vor dem OVG Nordrhein-Westfalen

Eine Frau aus dem Kreis Steinfurt kämpft um Leistungen für Menschen mit Behinderung, nachdem sie behauptet, an psychogener Erblindung zu leiden – einem Zustand, bei dem der Sehverlust ohne körperliche Schäden an den Augen auftritt. Der Fall ist nun vor dem Oberverwaltungsgericht (OVG) Nordrhein-Westfalen gelandet; die endgültige Entscheidung wird am 27. Februar 2023 erwartet.

Die Klägerin hatte ihren Fall bereits 2018 vor dem Verwaltungsgericht Münster verhandelt, doch die Klage wurde abgewiesen. Das Gericht erster Instanz urteilte nicht darüber, ob ihre Erkrankung tatsächlich besteht, übertrieben oder vorgetäuscht wird. Das Verfahren verzögerte sich später aufgrund der COVID-19-Pandemie.

Ein vom Gericht beauftragter Gutachter der Universität Tübingen untersuchte die Frau und stellte Widersprüche zwischen ihren Schilderungen und den medizinischen Befunden fest. Tests ergaben eine fast normale Sehkraft auf dem rechten Auge und eine sehr gute auf dem linken. Dennoch besteht die Frau darauf, dass ihre Erblindung psychogen bedingt sei – also eine psychologische Reaktion auf ein Trauma und keine körperliche Verletzung.

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) lehnte ihre Anträge auf finanzielle Unterstützung und einen Schwerbehindertenausweis ab. Ihre Begründung: Psychogene Erblindung erfülle nicht die gesetzliche Definition von Blindheit in Deutschland. Der 12. Senat des OVG wird den Streit nun nach der mündlichen Verhandlung am 27. Februar 2023 prüfen; das Urteil wird noch am selben Tag erwartet.

Wie andere Bundesländer mit ähnlichen Fällen umgehen, ist nicht bekannt. Eine aktuelle Verhandlung vor dem Oberverwaltungsgericht am 16. Februar 2026 betraf einen vergleichbaren Antrag, doch die Argumentation der Parteien bleibt unter Verschluss.

Die Entscheidung des OVG wird darüber bestimmen, ob die Klägerin Anspruch auf Behindertenleistungen nach deutschem Recht hat. Das Urteil könnte zudem Präzedenzcharakter für die rechtliche Behandlung psychogener Erblindung in zukünftigen Fällen haben. Die Verkündung erfolgt unmittelbar im Anschluss an die Verhandlung.

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