Bundesrechnungshof kritisiert bürokratische Hürden bei Bundeswehr-Beschaffung
Blanka JesselBundesrechnungshof kritisiert bürokratische Hürden bei Bundeswehr-Beschaffung
Kay Scheller, der Präsident des Bundesrechnungshofs, hat die Beschaffungsbehörde der Bundeswehr wegen ihrer übermäßig komplexen Strukturen scharf kritisiert. Er warnte, dass das aktuelle System, das eigentlich Missbrauch von Geldern verhindern soll, stattdessen Verzögerungen und Ineffizienz verursache. Seine Äußerungen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem das Militär seine Bewaffnung so schnell wie nie zuvor modernisieren will.
Die Bundeswehr hat ihre Beschaffungsprozesse in den vergangenen Jahren beschleunigt – angetrieben durch einen 100-Milliarden-Euro-Sonderfonds, der nach Russlands Invasion in der Ukraine 2022 eingerichtet wurde. Zwischen 2021 und 2026 setzte das Militär Prioritäten bei modernen Systemen, darunter 35 Tarnkappenjets vom Typ F-35, über 60 Eurofighter Typhoons sowie zusätzliche Patriot-Luftabwehrsysteme. Ältere Projekte wie der Kampfhubschrauber Tiger HAD wurden dagegen zurückgestuft oder ganz gestrichen, um die Modernisierung voranzutreiben.
Trotz dieser Fortschritte kritisierte Scheller, dass der Beschaffungsprozess weiterhin von übermäßiger Bürokratie ausgebremst werde. Zu viele Entscheidungsgremien seien beteiligt, was er als "organisierte Verantwortungslosigkeit" bezeichnete. Zwar sei Kostenkontrolle unverzichtbar, doch müsse das System Fachleuten ermöglichen, schnell zu handeln – besonders angesichts sich wandelnder Anforderungen auf dem Schlachtfeld.
Der Rechnungshofpräsident betonte zudem die Notwendigkeit schnellerer Entscheidungen, um mit den sich ändernden militärischen Erfordernissen Schritt zu halten. Er forderte Reformen, um Genehmigungsverfahren zu vereinfachen und sicherzustellen, dass die Bundeswehr flexibel bleiben kann, ohne die finanzielle Verantwortung aus den Augen zu verlieren.
Schellers Kritik verdeutlicht eine zentrale Herausforderung: den Spagat zwischen Tempo und Kontrolle bei der militärischen Beschaffung. Die Bundeswehr hat zwar bereits wichtige Rüstungsprojekte beschleunigt, doch könnten weitere Änderungen nötig sein, um bürokratische Hürden abzubauen. Sein Aufruf zu Reformen spiegelt die größeren Bedenken hinsichtlich der Effizienz wider, während Deutschland seine Verteidigung stärkt.
Sondervermögen Misuse Under Scrutiny
Scheller has accused the government of misusing the 100 Mrd. Euro Sondervermögen by diverting funds to consumption and infrastructure projects rather than military investments. He argues this creates fiscal leeway in the core budget and violates additionality principles, undermining the fund's purpose for modernisation. Digitalisation gaps and bureaucratic self-sabotage further hinder effective spending, he warns.






