Zuckerrübenanbau in Deutschland kämpft mit sinkenden Flächen und neuen Schädlingen
Susanne BachmannZuckerrübenanbau in Deutschland kämpft mit sinkenden Flächen und neuen Schädlingen
Deutscher Zuckerrübenanbau steht unter wachsendem Druck
Die deutschen Zuckerrübenbauern sehen sich mit immer größeren Herausforderungen konfrontiert. Sinkende Preise, steigende Produktionskosten und die Konkurrenz durch importierten Zucker haben die Anbauflächen in den wichtigsten Regionen bereits um fast ein Viertel schrumpfen lassen. Gleichzeitig zwingen neue Krankheiten, resistente Unkräuter und sich ändernde EU-Vorgaben die Landwirte, ihre Strategien zu überdenken.
Um die Erträge zu sichern, setzen die Bauern auf neu zugelassene Pflanzenschutzmittel und innovative Behandlungsmethoden. Einige Lösungen wie der Biostimulator Kinsidro Grow sind in bestimmten Programmen bereits verpflichtend, während andere – etwa das Herbizid Rinpode – noch in der Erprobung stecken, aber vielversprechende Ergebnisse zeigen.
Der Rückgang des Zuckerrübenanbaus hält seit 2020 an. Damals wurden in Deutschland noch rund 39.000 Hektar der Kultur gepflanzt. Bis zur Saison 2024/25 sank diese Fläche auf nur noch 30.100 Hektar. Besonders betroffen sind Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg, wo die Anbauflächen um bis zu 25 Prozent schrumpften. Niedrige Zuckerpreise, hohe Kosten und Änderungen der EU-Quotenregelungen trieben diesen Rückgang maßgeblich voran.
Auch auf dem Gut Metternich-Ratibor-Corvey KG in Höxter ist der Wandel spürbar. 2023 baute der Betrieb noch 160 Hektar Zuckerrüben an – drei Jahre später waren es nur noch 118 Hektar. Marktinstabilität und geringe Erlöse machten größere Anbauflächen unwirtschaftlich.
Krankheiten und Schädlinge verschärfen die Lage zusätzlich. Cercospora-Blattflecken, Stolbur (SBR) und herbizidresistente Unkräuter zählen mittlerweile zu den größten Bedrohungen für die Rübenernte. Notfallzulassungen für bestimmte Wirkstoffe brachten zwar vorübergehend Entlastung, doch nachhaltige Lösungen fehlen. Seit 2026 sind Präparate wie Badge WG, Coprantol Duo und Recudo vollständig zur Bekämpfung von Cercospora zugelassen und geben den Landwirten damit zuverlässigere Optionen an die Hand.
Gegen andere Probleme kommen ebenfalls neue Mittel zum Einsatz. Betriebsleiter Marius Feldmann testet derzeit das Herbizid Rinpode, das mit einer geringen Aufwandmenge auskommt. Versuche zeigen, dass es Hühnerhirse effektiv bekämpft, ohne die Zuckerrüben zu schädigen. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass es die Erträge um 3–7 Prozent steigern und pro Hektar eine zusätzliche Tonne Zucker bringen könnte.
Auch Biostimulanzien gewinnen an Bedeutung. Die Südzucker AG schreibt Kinsidro Grow mittlerweile in ihrem SBR/Stolbur-Programm vor – es soll in kritischen Wachstumsphasen gespritzt werden. Dieser Schritt spiegelt einen größeren Trend wider: Immer mehr Betriebe setzen auf neue Technologien, um sowohl Ertrag als auch Qualität zu sichern.
Die Kombination aus niedrigen Preisen, nachlassender Nachfrage und zunehmenden Schädlingsproblemen setzt die deutsche Zuckerrübenproduktion stark unter Druck. Ohne stabile Erlöse oder wirksame Gegenmaßnahmen könnten die Anbauflächen weiter schrumpfen. Zwar bieten neu zugelassene Chemikalien und innovative Behandlungen derzeit noch einen Schutz für die Erträge – doch ob sie langfristig die Wirtschaftlichkeit sichern können, bleibt abzuwarten.






