Wenn in Rottenburg die Saubloderen knallen: Ein Faschingsbrauch mit Tradition und Wumms
Katarzyna WirthStinkend und laut - der seltsame Brauch mit Schweinsblasen - Wenn in Rottenburg die Saubloderen knallen: Ein Faschingsbrauch mit Tradition und Wumms
Jedes Jahr zur Faschingszeit in Rottenburg, Baden-Württemberg, füllt ein skurriler Brauch die Straßen mit ohrenbetäubendem Knallen. Einheimische schwingen Saublodere – aufgeblasene Schweineblasen, die an Schnüren befestigt sind – und schmettern sie mit Wucht auf den Boden, um einen erschreckenden Knall zu erzeugen. Die Tradition verbindet Humor, Lärm und jahrhundertealte Symbolik in den Festlichkeiten der Region.
Die Herstellung einer Saublodere beginnt mit sorgfältiger Vorbereitung. Metzger liefern die Schweineblasen, die entleert, eingeweicht und gereinigt werden, bevor sie auf Mängel überprüft werden. Nur die robustesten Exemplare werden ausgewählt, dann mit Druckluft aufgeblasen, um den maximalen Effekt zu erzielen.
Jede Blase wird an eine Schnur gebunden, manchmal auch an einen Holzstab oder – besonders kurios – an einen getrockneten Stierpenis befestigt, um das Handhaben zu erleichtern. Wird sie geschwungen und auf den Boden geschlagen, erzeugt die gespannte Haut einen markerschütternden Knall, der Passanten erschrecken soll. Der Lärm dient dabei sowohl der Unterhaltung als auch als spöttische Anspielung auf Eitelkeit, wobei die Blase selbst für Übermaß steht.
Im Laufe der Zeit hat sich der Brauch gewandelt. Seit den 1970er-Jahren setzen viele Faschingsgilden auf Blasen aus synthetischem Kautschuk oder Kunststoff, die haltbarer und hygienischer sind. Doch in ländlichen Gegenden Baden-Württembergs, besonders rund um die Schwäbische Alb bei Reutlingen, fertigen Handwerker aus Tradition noch immer natürliche Varianten. In städtischen Gebieten wie Stuttgart hingegen wird oft aus praktischen Gründen zu modernen Materialien gegriffen.
Die Saublodere bleibt ein markantes Merkmal der schwäbischen Faschingskultur – egal, ob aus Schweineblasen oder synthetischen Alternativen gefertigt. Ihr scharfer Knall hallt weiterhin durch die Straßen und hält so eine alte Tradition am Leben. Die regionalen Unterschiede bei den Materialien spiegeln dabei sowohl kulturellen Stolz als auch sich wandelnde praktische Bedürfnisse wider.






