Thyssenkrupp zieht sich aus dem Stahlgeschäft zurück – und setzt auf Wasserstoff
Rainer SchäferThyssenkrupp zieht sich aus dem Stahlgeschäft zurück – und setzt auf Wasserstoff
Thyssenkrupp formt sein Stahlgeschäft um – angesichts sinkender Produktion und steigender Kosten Bis Mitte 2026 wird sich der Konzern aus den Krupp-Mannesmann-Werken zurückziehen und zudem die Lieferverträge für Brammen mit HKM vier Jahre früher als geplant beenden. Trotz dieser Herausforderungen hat sich der Aktienkurs im vergangenen Jahr deutlich erholt, liegt aber weiterhin unter den jüngsten Höchstständen.
Die deutsche Stahlproduktion schrumpft seit Jahren – bedrängt durch globale Konkurrenz und die hohen Kosten umweltfreundlicherer Produktionsmethoden. Thyssenkrupps eigene Ausbringung sank von rund 11 Millionen Tonnen im Jahr 2021 auf voraussichtlich etwa 9 Millionen Tonnen bis 2025. Wettbewerber wie ArcelorMittal und Tata Steel bauten ihre Marktposition dagegen durch Übernahmen und Effizienzsteigerungen aus und schwächten so Thyssenkrupps Stellung weiter.
Nun beschleunigt das Unternehmen seinen Ausstieg aus dem klassischen Stahlgeschäft: Bis zum 1. Juni 2026 wird es seinen verbleibenden Anteil an den HKM-Werken an Salzgitter AG verkaufen. Auch die Brammen-Lieferverträge zwischen Thyssenkrupp und HKM laufen bereits Ende 2028 aus – deutlich früher als ursprünglich bis 2032 vereinbart. Die Schritte erfolgen vor dem Hintergrund harter Marktbedingungen und weiter steigender Produktionskosten.
Doch Thyssenkrupp setzt nicht nur auf Umstrukturierung, sondern erschließt auch neue Geschäftsbereiche. Die Wasserstoff-Tochter Nucera expandiert mit Unterstützung der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) nach Indien. Anleger reagierten positiv: Der Aktienkurs stieg im vergangenen Jahr um fast 152 Prozent – bleibt aber rund 12 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch.
Die nächsten finanziellen Kennzahlen veröffentlicht Thyssenkrupp am 12. Februar 2026 mit den Ergebnissen für das erste Quartal 2025/26.
Während die Stahlproduktion von Thyssenkrupp zurückging und Konkurrenten an Stärke gewannen, markieren der Verkauf der HKM-Beteiligung und die vorzeitige Beendigung der Lieferverträge einen Abschied vom traditionellen Produktionsgeschäft. Gleichzeitig deuten das Wasserstoff-Engagement und die Kursgewinne auf eine Neuausrichtung hin – mit Fokus auf zukunftsträchtige Wachstumsfelder.






