02 February 2026, 21:28

Rita Süssmuths Vermächtnis: Eine Pionierin prägte Deutschlands Politik

Ein Plakat von zwei Frauen, die auf einem Bett umgeben von Kissen und Pflanzen mit Blumen sitzen, mit dem Text "Berliner Leben Magazin-Cover von Oktober 1931" oben.

Rita Süssmuths Vermächtnis: Eine Pionierin prägte Deutschlands Politik

Rita Süssmuth, eine der einflussreichsten Politikerinnen Deutschlands, ist im Alter von 86 Jahren verstorben. Bekannt für ihr Mitgefühl und progressive Werte, prägte sie in den 1980er-Jahren die Gesundheitspolitik neu und brach in einer von Männern dominierten politischen Landschaft Barrieren. Ihre Arbeit als Ministerin und später als Bundestagspräsidentin hinterließ im Land bleibende Spuren.

Geboren wurde Süssmuth 1937 in Wuppertal als Tochter eines Schulrats; später wurde sie Professorin für Erziehungswissenschaft. Ihre politische Karriere nahm mit der Unterstützung von Heiner Geißler Fahrt auf, der überzeugt war, die CDU müsse sich von patriarchalen Traditionen lösen. 1985 wurde sie als Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit vereidigt – im Bonner Bundestag legte sie mit den Worten "So wahr mir Gott helfe" ihren Amtseid ab.

Damals verfügte ihr Ministerium über ein bescheidenes Budget und galt als wenig kontrovers. Doch die AIDS-Krise änderte das schnell. Während viele in ihrer Partei auf Repression setzten, trieb Süssmuth Aufklärung, Forschung und Solidarität voran. Offener als andere sprach sie über Safer Sex, verunsicherte damit zwar Konservative, verschob aber die öffentliche Meinung. Bis zum Herbst 1987 setzte sich ihr liberaler Ansatz – unterstützt von Ärzten, Wissenschaftlern und Aktivisten – gegen Forderungen nach Zwangstests und Ausgrenzung durch.

Ihre Kampagne "Gib AIDS keine Chance" flutete die Medien mit TV-Spots, Plakaten und Anzeigen, normalisierte den Gebrauch von Kondomen und entstigmatisierte Sexualität. 1987 gründete sie die Deutsche AIDS-Stiftung, ein Jahr später richtete sie das AIDS-Zentrum im Bundesgesundheitsamt ein. Über die Gesundheitspolitik hinaus kämpfte sie gegen die strukturelle Diskriminierung von Frauen und verbesserte die Familienförderung – eine Kehrtwende vom reaktionären "geistig-moralischen Wandel".

1988 wurde Süssmuth Bundestagspräsidentin, ein Amt, das sie ein Jahrzehnt lang innehatte. Sie begleitete den historischen Umzug des Parlaments von Bonn nach Berlin und blieb eine geachtete Stimme der Christlichen Demokratie, die sich nie vor Veränderung fürchtete.

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Süssmuths Vermächtnis lebt weiter in Deutschlands fortschrittlicher Gesundheitspolitik und ihrer Rolle bei der Modernisierung der CDU. Ihre Kampagnen retteten in der AIDS-Krise Leben, und ihre Führung im Bundestag festigte ihren Platz als prägende Figur ihrer Zeit. Auch nach ihrem Ausscheiden aus der Politik engagierte sie sich in zahlreichen Gremien und Ehrenämtern weiter für Mitmenschlichkeit und Reformen.