NRW-Krankenhäuser schlecht auf Katastrophen vorbereitet – Experten schlagen Alarm
Katarzyna WirthNRW-Krankenhäuser schlecht auf Katastrophen vorbereitet – Experten schlagen Alarm
Eine aktuelle Umfrage hat Bedenken hinsichtlich der Notfallvorbereitung von Krankenhäusern in Nordrhein-Westfalen (NRW) aufgeworfen. Wie eine Untersuchung des WDR ergab, verfügen zwar die meisten Einrichtungen über Notstromaggregate, doch viele kämpfen mit Problemen bei der Wasser- und Treibstoffversorgung sowie mit Platzmangel für die Krisenbewältigung. Experten warnen, dass die aktuellen Vorbereitungen bei einer großen Katastrophe oder einem Angriff nicht ausreichen könnten.
Von 53 Krankenhäusern in NRW sind 40 mit Notstromsystemen ausgestattet, wobei mehr als die Hälfte davon bis zu drei Tage betrieben werden kann. Das Bergmannsheil in Bochum etwa setzt fünf Dieselgeneratoren ein, die für 72 Stunden mit Treibstoff bestückt sind – eine in Deutschland verbreitete Lösung. Dennoch zeigt sich Mirko Aach, der ärztliche Direktor des Krankenhauses, besorgt über die Bewältigung von Massenanfällen, insbesondere wenn bei längerfristigen Stromausfällen die Treibstofflieferungen ausbleiben.
Hinzu kommen räumliche Engpässe: Viele Krankenhäuser verfügen nicht über ausreichend Platz für große Treibstoffreserven und sind daher auf regelmäßige Diesel-Lieferungen angewiesen. Auch die Wasserversorgung birgt Risiken: Nur jedes fünfte Krankenhaus hält einen Vorrat an Flaschenwasser für eine Woche bereit, während die übrigen vollständig von externen Lieferanten abhängig sind. Bundeseinheitliche Daten dazu, wie viele Krankenhäuser mindestens sieben Tage lang Notwasser sichern können, existieren nicht.
Die Bestände an Medikamenten variieren stark. Die meisten Krankenhäuser lagern essenzielle Arzneimittel für zwei bis sechs Wochen, doch Blutkonserven wären in einer Krise schnell aufgebraucht. Professor Boris Augurzky schlägt ein rotierendes Lagerungssystem vor, um das Verfallen von Medikamenten zu verhindern. Unterdessen räumte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann ein, dass für die Notfallpläne Kölns finanzielle Mittel fehlen, und regte die Nutzung von Bundesverteidigungsgeldern als Lösung an.
Die Kölner städtischen Kliniken haben ein zweistöckiges Tiefgeschoss entworfen, das im Frieden als Parkhaus und im Krisenfall als medizinisches Notfallzentrum dienen soll. Doch das Projekt wartet noch auf eine Finanzierung. Während des Kalten Krieges hatte NRW Hilfsbunker zu medizinischen Einrichtungen umfunktioniert, doch alle wurden inzwischen geschlossen. Heute unterhält keine Klinik in der Region mehr unterirdische Schutzräume.
Die Umfrage deckt gravierende Lücken in der Krankenhausvorsorge auf – von Treibstoff- und Wassermangel bis hin zu veralteter Infrastruktur. Ohne zusätzliche Mittel oder strukturelle Änderungen, so die Warnung von Experten, könnten die Einrichtungen bei großflächigen Notfällen überfordert sein. Die Behörden stehen nun unter Druck, diese Schwachstellen zu beheben, bevor es zu einer Krise kommt.






