Kölner Karneval verzichtet auf Putin-Motto – Düsseldorf übernimmt die Provokation
Katarzyna WirthKölner Karnevalisten verteidigen das Fehlen des Putin-Wagens - Kölner Karneval verzichtet auf Putin-Motto – Düsseldorf übernimmt die Provokation
Kölner Karnevalsveranstalter verzichten auf Putin-Motto beim diesjährigen Rosenmontagszug
Stattdessen wird der Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly das umstrittene Thema für den Umzug in seiner Stadt aufgreifen. Die Entscheidung fällt in eine Zeit, in der Tilly mit juristischen Drohungen russischer Behörden wegen früherer satirischer Darstellungen konfrontiert ist.
Die Absage an einen Putin-Wagen beim Kölner Zug bestätigte Zugleiter Marc Michelske. Er wies Vorwürfe zurück, wonach die Sorge vor russischen Repressalien eine Rolle gespielt habe, und betonte, es gehe darum, dass zumindest ein Putin-Motiv zu sehen sein werde – nur eben nicht in Köln. Christoph Kuckelkorn, Präsident des Kölner Festkomitees, unterstützte Michelskes Position.
Stattdessen werden beim diesjährigen Kölner Umzug andere Persönlichkeiten und Themen im Fokus stehen, darunter der ehemalige US-Präsident Donald Trump sowie Streitigkeiten innerhalb der deutschen Ampelkoalition. Tilly hingegen gerät zunehmend unter rechtlichen Druck aus Russland. Moskauer Gerichte haben wegen "Verleumdung russischer Staatsorgane" und "Verbreitung falscher Informationen über die Armee" – Delikte, die mit Geldstrafen oder bis zu zehn Jahren Haft geahndet werden können – Ermittlungsverfahren gegen ihn eingeleitet.
Auslöser für die juristischen Schritte waren Tillys frühere Putin-Wagen, die zwischen 2024 und 2025 in Düsseldorf gezeigt wurden. Zwar gab es bisher keine offiziellen diplomatischen Proteste, doch die Verfahren laufen ohne formelle Benachrichtigung an Tilly weiter. Aufgrund möglicher Auslieferungsrisiken unterliegt er inzwischen Reisebeschränkungen, zeigt sich aber ungebrochen. Zwar räumt er ein, dass seine Lage weniger dramatisch sei als die inhaftierter russischer Oppositioneller, doch von einem Rückzug ist keine Rede.
Michelske äußerte sich zuversichtlich, dass Tilly das Thema angemessen umsetzen werde, und verwies darauf, dass der Düsseldorfer Zug die passende Plattform für eine solche provokante Darstellung biete.
Der Fall Tilly unterstreicht die Risiken politischer Satire in einem zunehmend angespannten internationalen Klima. Während der Kölner Zug ohne Putin-Motiv stattfinden wird, bleibt das Thema dem Düsseldorfer Umzug vorbehalten. Die juristischen Schritte russischer Gerichte gegen Tilly nehmen indes ihren Lauf.






