07 April 2026, 08:33

Italienische Militärinternierte: Wie 600.000 Soldaten zu NS-Zwangsarbeitern wurden

Detailierte Karte der Schlachtrouten der italienischen Armee im Ersten Weltkrieg, die geografische Merkmale, Städte, Dörfer und wichtige Schlachtinformationen einschließlich der Namen der Soldaten und der Datumsangaben zeigt.

Italienische Militärinternierte: Wie 600.000 Soldaten zu NS-Zwangsarbeitern wurden

Zwischen den späten 1930er-Jahren und 1945 reisten Zehntausende Italiener nach Deutschland, um dort zu arbeiten. Anfangs kamen sie als Saisonarbeiter, doch ihre Zahl stieg nach dem italienischen Waffenstillstand 1943 stark an. Über 600.000 italienische Soldaten wurden daraufhin zu Gefangenen des NS-Regimes und unter der Bezeichnung Italienische Militärinternierte (IMI) zu harter Zwangsarbeit gezwungen.

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Vor dem Krieg war die italienische Migration nach Deutschland begrenzt geblieben. Sprachbarrieren, wirtschaftliche Instabilität und schlechte Arbeitsbedingungen hielten die Zahlen niedrig. Das änderte sich 1941, als das nationalsozialistische Deutschland mit einem Arbeitskräftemangel von 300.000 Personen konfrontiert war. Da immer mehr Deutsche für die "Operation Barbarossa" eingezogen wurden, warb das Regime in Italien gezielt Fabrikarbeiter an.

Nach dem Seitenwechsel Italiens 1943 besetzten deutsche Truppen das Land und nahmen mehr als 600.000 italienische Soldaten gefangen. Ihnen wurden die Rechte entzogen, sie wurden zu IMI umklassifiziert und in Schlüsselindustrien deportiert. Viele landeten in Hydrierwerken, Flugzeughallen oder U-Boot-Werften, wo sie unter brutalen Bedingungen schuften mussten. Die NS-Führung betrachtete sie zwar als politisch nützlich, stufte sie rassistisch jedoch als "nicht-arisch" ein – trotz der früheren Bündnisverpflichtungen Italiens.

Nicht alle Italiener in Deutschland waren Zwangsrekrutierte. Einige kamen freiwillig, angelockt von wirtschaftlichen Chancen oder faschistischer Gesinnung. Andere hatten bereits zuvor mit dem NS-System in Italien kollaboriert. Nach Kriegsende kehrten die meisten Zwangsarbeiter und Internierten in ihre Heimat zurück. Einige blieben jedoch, weil sie private Bindungen geknüpft hatten oder andere Gründe zum Verbleib fanden.

Jahrzehnte später, in den 1950er-Jahren, sahen sich neu angekommene italienische Arbeitsmigranten in Deutschland noch immer mit Feindseligkeiten konfrontiert. Häufig wurden sie als "Badoglio-Verräter" beschimpft – ein Verweis auf den italienischen Frontwechsel – oder abfällig "Itaker" genannt.

Das System der Zwangsarbeit nutzte nach 1943 über 600.000 italienische Soldaten aus und setzte sie in zentralen NS-Industrien ein. Während die meisten nach dem Krieg zurückkehrten, blieben einige und prägten die ersten italienischen Gemeinschaften in Deutschland. Spätere Migrantengenerationen der 1950er-Jahre stießen noch auf nachwirkende Ressentiments – ein Erbe der kriegsbedingten Spaltungen.

Quelle