Die Grünen reformieren ihre Strukturen – mehr Effizienz oder weniger Basisdemokratie?
Katarzyna WirthDie Grünen reformieren ihre Strukturen – mehr Effizienz oder weniger Basisdemokratie?
Die Grünen treiben weitreichende Änderungen ihrer internen Regeln voran. Eine Kommission hat umfassende Reformen für Führungspositionen, die Einbindung der Mitglieder und Entscheidungsprozesse vorgeschlagen. Die abschließenden Beratungen über diese Neuerungen sollen noch in dieser Woche abgeschlossen werden.
Zu den geplanten Änderungen gehört die Anhebung der Hürden für die Einreichung von Anträgen und Änderungsanträgen auf Parteitagen. Bisher kann jedes Mitglied Vorschläge einbringen, doch die Grünen argumentieren, dass dies zu einer Flut von Anträgen und Verwirrung führe. Stattdessen sollen strengere Vorgaben die Debatten straffen.
Eine weitere zentrale Neuerung ist die Einführung von "Mitgliederversammlungen", inspiriert von Bürgerräten. Diese sollen einfachen Mitgliedern einen strukturierteren Weg bieten, die Parteipolitik mitzugestalten. Zudem plant die Partei, die Rolle des politischen Geschäftsführers zu stärken – möglicherweise unter dem neuen Namen Generalsekretär – und die Befugnisse des Parteirats auszuweiten.
Nicht alle unterstützen die Reformen. Der langjährige Aktivist Thomas Griesehop hat gedroht, die Partei zu verlassen, falls die basisdemokratischen Strukturen geschwächt würden. Gleichzeitig hat die "Unabhängige Grüne Linke", eine kleine, aber aktive Strömung, in der Vergangenheit erfolgreich Anträge durchgesetzt – etwa zu Formulierungen im Lieferkettengesetz und bei Klimazahlungen. Ihr Einfluss könnte durch die neuen Regeln beschnitten werden.
Die Grünen haben eine lange Tradition innerparteilicher Demokratie. 2002 stimmte eine Mitgliederabstimmung mit 66,89 Prozent dafür, die Trennung zwischen Parteiämtern und parlamentarischen Funktionen zu lockern. Die aktuellen Reformen folgen einem ähnlichen Ansatz und zielen darauf ab, Effizienz und Mitgliederbeteiligung in Einklang zu bringen.
Falls die Änderungen angenommen werden, stellen sie die größte Überarbeitung der Parteisatzung seit Jahren dar. Sie sollen die Entscheidungsfindung modernisieren und den administrativen Aufwand verringern. Die endgültige Entscheidung liegt bei den Mitgliedern, die in den kommenden Wochen über die Vorschläge abstimmen werden.






