90-Jährige muss nach 52 Jahren ihre Mietwohnung wegen Abriss verlassen
Rainer Schäfer90-Jährige muss nach 52 Jahren ihre Mietwohnung wegen Abriss verlassen
90-jährige Dortmunderin droht Räumung nach über einem halben Jahrhundert in derselben Mietwohnung
Lieselotte Hoeber muss ihre Mietwohnung bis zum 30. April verlassen – das Haus in der Chemnitzer Straße soll abgerissen werden. Der Vermieter, der Volkswohlbund, hält das Gebäude für wirtschaftlich nicht mehr tragbar. Doch Mieter und Aktivisten wehren sich gegen die Pläne.
Seit 52 Jahren lebt Lieselotte Hoeber in ihrer Mietwohnung. Nun steht die 90-Jährige vor einem Umzug, vermutlich in eines der wenigen sanierten Wohnungen in der Nähe. In ihrem Alter und mit begrenzter Unterstützung stellt der Umzug eine enorme Belastung dar.
Alle 36 Haushalte in den fünf Wohngebäuden der Chemnitzer Straße erhielten identische Räumungsklagen. Der Mieterverein stellt die Rechtmäßigkeit dieser Kündigungen infrage. Der Volkswohlbund hingegen argumentiert, die Sanierungskosten überstiegen jene eines Neubaus – eine Begründung, die der Verein als "völligen Unsinn" zurückweist.
Nur wenige Straßen weiter modernisiert derselbe Vermieter andere Wohnhäuser und beweist damit, dass Erhalt möglich ist. Einige der betroffenen Mieter sind bereits in renovierte Wohnungen umgezogen, Gerüchten zufolge mit finanziellen Anreizen des Vermieters. Doch die meisten, wie Hoeber, haben kaum Alternativen.
Politiker und Stadtratsmitglieder unterstützen weitgehend die Abrisspläne, sodass den Mietern kaum rechtliche Handhabe bleibt. Eine kleine Solidaritätsgruppe protestiert zwar vor Ratssitzungen, doch bisher ohne spürbaren Erfolg.
Die Räumungen ebnen den Weg für Neubauten, Kritiker halten die Abrisse jedoch für unnötig. Mit fast ausgeschöpften rechtlichen Mitteln müssen sich die Betroffenen nun mit der Realität der Vertreibung abfinden. Der Konflikt zeigt die wachsende Spannung zwischen städtischer Entwicklung und dem Recht auf langfristigen Wohnraum.






