19 April 2026, 10:30

Wie die Dresdner Obergraben-Presse die Kunstszene der 1970er revolutionierte

Alte Karte von Dresden, Deutschland, mit zwei Papieren im Vordergrund und einem grauen Hintergrund, die detaillierte Straßen, Gebäude und Sehenswürdigkeiten zeigt.

Wie die Dresdner Obergraben-Presse die Kunstszene der 1970er revolutionierte

In den 1970er-Jahren schlossen sich in Dresden Künstlerinnen, Künstler und Drucker zusammen, um einen einzigartigen kreativen Ort zu schaffen. Die Dresdner Obergraben-Presse begann als Künstlervereinigung, die eine Druckwerkstatt, einen Verlag und eine Galerie unter einem Dach vereinte. Ihre Arbeit war geprägt von Zusammenarbeit, Experimentierfreude und dem Wunsch, über konventionelle Projekte hinauszugehen.

Die Wurzeln des Kollektivs reichen bis ins Jahr 1971 zurück, als der Künstler A.R. Penck die Gruppe Lücke mitbegründete. Fünf Jahre lang diente sie als Plattform für avantgardistische Ideen, bevor sie sich 1976 auflöste. Zur gleichen Zeit entwickelte Penck seine Theorie Vom Untergrund zum Obergrund, in der er untersuchte, wie marginalisierte Kunst ein breiteres Publikum erreichen könnte.

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Im selben Jahr stießen Eberhard Göschel und Peter Herrmann zur Arbeitsgruppe des Dresdner Leonhardi-Museums. Ihr Engagement schuf ein Netzwerk für künstlerischen Austausch. Als Göschel 1978 in ein größeres Atelier umzog, wurde eine Dreizimmerwohnung frei – ein Raum, der fortan für Druckexperimente genutzt wurde.

Unterdessen suchte der Drucker Jochen Lorenz nach anspruchsvollerer Arbeit als dem gewohnten Druck von Fahrplänen für die Deutsche Reichsbahn. Seine Fähigkeiten passten perfekt zu den Ambitionen der Gruppe. Peter Herrmann steuerte eine seltene italienische Druckerpresse aus dem Jahr 1908 bei, die Bernhard Theilmann akribisch restauriert hatte. Gemeinsam verwandelten sie die Wohnung in eine funktionsfähige Werkstatt, in der Handwerkskunst und künstlerische Visionen verschmolzen.

Aus diesen Kooperationen ging die Dresdner Obergraben-Presse hervor – ein Ort, an dem Künstlerinnen und Künstler ihre Werke produzieren, veröffentlichen und ausstellen konnten. Ihre Gründung markierte den Übergang von unterirdischem Schaffen zu einem sichtbaren, strukturierten Kollektiv. Die Presse wurde zu einem zentralen Bestandteil der Dresdner Kulturszene und hinterließ bleibende Spuren in der künstlerischen Gemeinschaft der Stadt.

Quelle