Widerstand gegen die Wiederbewaffnung: Wie Westdeutschland 1955 die Bundeswehr durchsetzte
Rainer SchäferWiderstand gegen die Wiederbewaffnung: Wie Westdeutschland 1955 die Bundeswehr durchsetzte
Die Aufstellung der Streitkräfte Westdeutschlands in den 1950er-Jahren stieß auf heftigen Widerstand in der Bevölkerung und bei prominenten Persönlichkeiten. Gegen die Pläne zur Wiederbewaffnung des Landes brachen Proteste aus – viele fürchteten eine Rückkehr zum Militarismus nur wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Debatte spaltete Politiker, Wissenschaftler und Bürger gleichermaßen.
Der Widerstand gegen die Wiederbewaffnung begann früh. 1951 wurde zwar ein Volksbegehren zu diesem Thema initiiert, doch das Innenministerium verbot es später. Im selben Jahr wurde die Freie Deutsche Jugend (FDJ), eine kommunistische Jugendorganisation, die sich gegen die Militärpläne stellte, in Westdeutschland verboten. 1952 eskalierten die Proteste gegen die Remilitarisierung, darunter die tödliche Erschießung eines jungen FDJ-Mitglieds in Essen.
1955 formierte sich die Paulskirchenbewegung als eine der wichtigsten Widerstandskampagnen gegen die Gründung der Bundeswehr und den NATO-Beitritt. Unter dem Motto "Ohne mich!" lehnten viele Deutsche ab, dass ihre Soldaten in einer europäischen Armee dienen sollten. Trotz des massiven Widerstands wurde die Bundeswehr 1955 gegründet, und Westdeutschland trat der NATO bei.
Im November 1955 berief Theodor Blank offiziell die ersten Offiziere und Unteroffiziere der neuen Armee. Der Name Bundeswehr wurde jedoch erst am 1. April 1956 offiziell eingeführt. Im Juli desselben Jahres führte der Bundestag nach hitzigen Debatten die Wehrpflicht ein.
1957 unterzeichneten 18 renommierte Wissenschaftler das Göttinger Manifest, in dem sie gegen die atomare Bewaffnung der Bundeswehr protestierten. Ihr Eingreifen unterstrich die anhaltenden Bedenken gegenüber der militärischen Ausrichtung Deutschlands.
Die Gründung der Bundeswehr markierte einen Wendepunkt im Nachkriegsdeutschland – trotz des breiten Widerstands. Proteste, Verbote und öffentliche Kampagnen konnten die Wiederbewaffnung nicht aufhalten, die zu einem Grundpfeiler der westdeutschen Strategie im Kalten Krieg wurde. Die Debatten der 1950er-Jahre prägten nachhaltig das Verhältnis des Landes zu seinem Militär.






