Rekordbeteiligung beim Operetten-Wettbewerb – doch der Grand Prix bleibt unerreicht
Susanne BachmannRekordbeteiligung beim Operetten-Wettbewerb – doch der Grand Prix bleibt unerreicht
Der 10. Internationale Wettbewerb für junge Operetten- und Musicaldarsteller geht mit Rekordbeteiligung und überraschenden Trends zu Ende
Die Jubiläumsausgabe des 10. Internationalen Wettbewerbs für junge Operetten- und Musicaldarsteller ist mit einer noch nie dagewesenen Anzahl an Bewerbungen zu Ende gegangen. Über 100 Künstler aus Russland, Belarus und Usbekistan nahmen teil – doch erstmals in der Geschichte des Wettbewerbs wurde kein Grand Prix verliehen. Eine weitere Überraschung: Operettenbeiträge überstiegen diesmal leicht die Musicals, ein Novum nach Jahren der Dominanz des modernen Musiktheaters.
In diesem Jahr verzeichnete der Wettbewerb ein beispielloses Interesse: Mehr als 100 Anmeldungen gingen aus Metropolen wie Moskau, Sankt Petersburg, Minsk und Taschkent ein. Selbst Musikhochschulen, die traditionell auf Oper spezialisiert sind, entsandten so viele Studierende wie nie zuvor. Die erste Runde blieb hochselektiv, wie die Organisatoren betonten – manche Teilnehmer entfalteten ihr volles Potenzial erst in der zweiten Runde, wenn sie mit Orchester auftraten.
Mit 56 Einsendungen lag die Operette knapp vor den Musicals (50 Beiträge) und markierte damit einen Wendepunkt: Bisher hatte das moderne Musiktheater stets die Oberhand behalten. Jurymitglied Georgi Isaakjan lobte die "wahren Entdeckungen" im Bereich der Operette, warnte jedoch, dass die Zukunft des Genres von Künstlern abhängt, die klassische Wurzeln bewahren und gleichzeitig moderne Geschmäcker bedienen können. Zugleich äußerte er Besorgnis über den Rückgang an versierten Operettendarstellern.
Die Preisverleihung fiel in diesem Jahr ungewöhnlich üppig aus: Neben den Hauptpreisen gab es Sonderauszeichnungen, die an Legenden der Branche erinnert wurden. Maxim Isaakowitsch, langjähriger Teilnehmer, beobachtete den wachsenden Einfluss des Musicals, begrüßte aber die erneuerte Aufmerksamkeit für die Operette. Kreative Adaptionen – etwa Heldinnen mit Gewehren oder in Cowboy-Kostümen – wurden als frische Impulse für das Genre gefeiert.
Die Jubiläumsausgabe endete ohne die Vergabe eines Grand Prix, eine Ehre, die in der zehnjährigen Geschichte des Wettbewerbs nur einmal verliehen wurde. Stattdessen verteilten die Organisatoren die Anerkennung auf mehrere Preisträger und spiegelten damit die wachsende Reichweite und sich wandelnden künstlerischen Prioritäten wider. Die Hinwendung zur Operette und der Aufschwung junger Talente deuten auf eine spannende Zukunft für das Genre hin.






