NDR trennt sich von Julia Ruhs nach Debatte um politische Haltung
Susanne BachmannNDR trennt sich von Julia Ruhs nach Debatte um politische Haltung
Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) hat die Zusammenarbeit mit der Moderatorin Julia Ruhs als alleinige Gastgeberin des Reportageformats "Klar" beendet. Die Entscheidung folgt einer öffentlichen Debatte über ihre politische Haltung, die sie selbst als konservativ-bürgerlich bezeichnet. Ruhs hatte zuvor in ihrem Buch und bei Auftritten sogenannte links-grüne Meinungsmacht kritisiert.
Der Schritt sorgt für kontroverse Reaktionen: Während einige Medienvertreter Ruhs verteidigen, unterstützen andere die Entscheidung des NDR.
Julia Ruhs baute ihre Karriere rasant auf: Innerhalb von nur drei Jahren stieg sie vom Ehrenamt beim Bayerischen Rundfunk (BR) zur Moderatorin auf. Bekannt wurde sie vor allem durch ihr Buch "Links-grüne Meinungsmacht. Die Spaltung unseres Landes", in dem sie sich als Kritikerin des Einflusses progressiver Medien positionierte. Noch vor ihrem Wechsel zum NDR war sie vom CSU-Kreisverband Bad Tölz als Journalistin des BR und der "Bild" eingeladen worden.
Der NDR hatte alle drei von Ruhs moderierten Folgen des Formats abgesegnet. Dennoch entschied sich der Sender, sie für künftige Ausgaben von "Klar" zu ersetzen. Die Journalistin Tanit Koch übernimmt nun die Präsentation der Sendung.
Die Entscheidung löste gemischte Reaktionen aus. Oliver Welke, Moderator der ZDF-"heute show", kritisierte den NDR und zeigte einen Clip, in dem Ruhs sagt: "Auch einige meiner Freunde haben durchaus recht konservative Ansichten." Welke argumentierte, der NDR hätte sie behalten sollen, und betonte: "Wir müssen alle mehr aushalten können." Die Komikerin Idil Baydar (Jilet Ayse/Bosetti) hingegen verteidigte den Sender und bezeichnete Ruhs' Vorgehen als "Populismus und schlechten Journalismus".
Ruhs selbst reagierte auf X (ehemals Twitter) mit den Worten: "Ein bisschen fies, aber sehr witzig – die ZDF-'heute show' hat zusammengefasst, was letzte Woche beim ARD passiert ist." Sie wird "Klar" weiterhin für den BR moderieren, nicht jedoch für den NDR.
Der Konflikt verdeutlicht die Spannungen zwischen öffentlich-rechtlichen Sendern und Moderator:innen mit offen politischen Positionen. Während Ruhs beim BR auf Sendung bleibt, setzt der NDR bei "Klar" auf einen anderen Kurs. Die Diskussion um ihren Abgang spiegelt die größere Debatte über journalistische Neutralität und redaktionelle Entscheidungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wider.






