17 March 2026, 08:29

Langzeitarbeitslose zweifeln am Nutzen der Jobcenter-Termine trotz kompetenter Beratung

Grafik zeigt Trends bei insgesamt arbeitslosen Personen, Stellenangeboten und Kündigungen mit begleitendem erklärendem Text.

Für fast jeden Zweiten ist ein Besuch beim Jobcenter sinnlos - Langzeitarbeitslose zweifeln am Nutzen der Jobcenter-Termine trotz kompetenter Beratung

Eine neue Umfrage zeigt gemischte Gefühle unter Langzeitarbeitslosen gegenüber der Unterstützung durch die Arbeitsagenturen. Zwar schätzen viele die Mitarbeiter als kompetent ein, doch fast die Hälfte gibt an, dass ihre Besuche kaum Nutzen bringen. Die Ergebnisse erscheinen zu einem Zeitpunkt, an dem Deutschland sich auf eine Sozialreform im Mitte 2026 vorbereitet, die das aktuelle Bürgergeld-System durch ein neues Grundsicherungsmodell ersetzen soll.

Die zwischen dem 15. April und 18. Juni 2025 durchgeführte Erhebung umfasste über 1.000 Arbeitslose. Dabei zeigte sich, dass 47 % der langzeitarbeitslosen Teilnehmer ihre Termine beim Jobcenter als wenig hilfreich empfanden. Dennoch hielten 73 % die Mitarbeiter für fachkundig, und 68 % äußerten sich insgesamt zufrieden mit dem Service.

Bei Personen mit mehreren Vermittlungshemmnissen – das betrifft 46 % der Grundsicherungsempfänger – wird den Jobcentern empfohlen, stärker auf Coaching, Qualifizierungsmaßnahmen und maßgeschneiderte Stellenangebote zu setzen. Langzeitarbeitslose ohne größere Hindernisse sollten hingegen stärker in die Eigenverantwortung bei der Stellensuche einbezogen werden.

Die Daten verdeutlichen auch übergeordnete Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt. Zwischen 2018 und 2022 fanden jährlich etwa 25 bis 30 % der Langzeitarbeitslosen in Deutschland eine Beschäftigung. Seit 2023 jedoch haben Wirtschaftskrisen, Fachkräftemangel und die steigende Zahl der Langzeitarbeitslosen – mittlerweile über eine Million – diesen Wert auf etwa 20 bis 25 % sinken lassen oder stagnieren lassen.

Ab dem 1. Juli 2026 wird ein neues Sozialsystem das Bürgergeld ablösen. Die Reform zielt darauf ab, die anhaltenden Schwierigkeiten bei der Vermittlung von Langzeitarbeitslosen in stabile Jobs zu überwinden.

Die Umfrage unterstreicht die Kluft zwischen der wahrgenommenen Kompetenz der Mitarbeiter und dem tatsächlichen Nutzen der Jobcenter-Besuche. Angesichts der bevorstehenden Sozialreform steht das System unter Druck, Menschen mit komplexen Vermittlungshemmnissen besser zu unterstützen. Der Politikwechsel erfolgt zu einer Zeit, in der wirtschaftliche Belastungen den deutschen Arbeitsmarkt weiterhin prägen.

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