Jugend in NRW verliert dramatisch das Vertrauen in die Demokratie – doch sie kämpft zurück
Susanne BachmannZufriedenheit mit Demokratie in NRW bei Jugendlichen sinkt - Jugend in NRW verliert dramatisch das Vertrauen in die Demokratie – doch sie kämpft zurück
Vertrauen in die Demokratie schwindet in Nordrhein-Westfalen – besonders bei Jugendlichen
Das Vertrauen in die Demokratie bröckelt in Nordrhein-Westfalen, wobei junge Menschen die stärkste Unzufriedenheit zeigen. Wie aus dem aktuellen Demokratiebericht hervorgeht, nehmen das Vertrauen in politische Institutionen, wirtschaftliche Sorgen und die Einstellung zur Staatsführung besorgniserregende Formen an. Zwar bleibt die grundsätzliche Unterstützung demokratischer Werte bestehen – doch immer weniger Bürger sind überzeugt, dass das System in der Praxis gut funktioniert.
Besonders dramatisch ist der Rückgang bei den 14- bis 18-Jährigen: Nur noch 47 Prozent sind mit der Funktionsweise der Demokratie zufrieden – ein Einbruch von 77 Prozent im Jahr 2023. Auch bei den 19- bis 29-Jährigen ist die Zustimmung um 14 Punkte auf 51 Prozent gesunken. Selbst in der Altersgruppe der 30- bis 44-Jährigen verzeichnet der Bericht einen Rückgang um acht Punkte; hier sind nur noch 43 Prozent mit dem aktuellen System zufrieden.
Der Bericht warnt vor "mittelfristigen Risiken" für die Demokratie, die durch persönliche Ängste, wirtschaftliche Unsicherheiten und Zukunftssorgen angetrieben werden. Das Vertrauen in zentrale Institutionen – Politik, Wissenschaft, Polizei und Entscheidungsgremien auf Bundes- und Landesebene – hat ebenfalls gelitten, vor allem in den jüngeren Generationen.
Doch nicht alle Entwicklungen deuten auf politische Gleichgültigkeit hin. Seit 2023 engagieren sich Jugendliche in neuen Formen: Bei den "Fridays for Future"-Protesten in Düsseldorf versammelten sich 2024 rund 15.000 Demonstranten, die Mitgliedszahlen in Jugendräten stiegen um 12 Prozent, und die Wahlbeteiligung der 18- bis 24-Jährigen kletterte von 52 Prozent bei der Landtagswahl 2022 auf 61 Prozent bei den Kommunalwahlen 2025.
Auch die Einstellungen zur Staatsführung wandeln sich. Fast die Hälfte der Befragten (47 Prozent) stimmt mittlerweile der Aussage zu, die Gesellschaft brauche "eine starke Partei, die den Willen des Volkes verkörpert". Eine kleinere, aber bemerkenswerte Gruppe von 15 Prozent hält sogar "eine Diktatur manchmal für die bessere Regierungsform". Ältere Generationen bleiben hingegen am stärksten in ihrer demokratischen Überzeugung verankert – ein deutlicher Kontrast zur wachsenden Skepsis der Jüngeren.
Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass die Demokratie in Deutschland zwar unter erheblichem Druck steht, aber vorerst noch stabil bleibt. Während das Vertrauen in Institutionen schwindet, suchen junge Menschen zunehmend in Aktivismus und Wahlen nach Wegen, ihren Unmut auszudrücken. Die Kluft zwischen demokratischen Idealen und ihrer tatsächlichen Umsetzung wird besonders bei den Unter-30-Jährigen immer größer.






