Frankfurt (Oder) feiert Kleist mit Punk-Opern und Schulklassikern vom 7. bis 12. Oktober
Rainer SchäferFrankfurt (Oder) feiert Kleist mit Punk-Opern und Schulklassikern vom 7. bis 12. Oktober
Frankfurt (Oder) bereitet sich auf sein jährliches Kleist-Festival vor, das in diesem Jahr vom 7. bis 12. Oktober stattfindet. Die Veranstaltung würdigt Heinrich von Kleist, die berühmteste literarische Persönlichkeit der Stadt, der hier 1777 geboren wurde. Gleichzeitig laufen die Vorbereitungen für ein großes Kleist-Jahr 2027, mit dem an seinen 250. Geburtstag erinnert werden soll.
Das Festival bietet eine Mischung aus Theater, Musik und Diskussionsformaten. Klassiker wie "Der zerbrochne Krug" – ein fester Bestandteil des deutschen Schulkanons – teilen sich die Bühne mit mutigen Neuinszenierungen. Dazu zählt etwa Theresia Walsers Stück über die Radikalisierung einer Schule unter einer rechtsextremen Regierung, das sich mit den Themen Extremismus und Bildung auseinandersetzt.
Musik und Klang spielen eine zentrale Rolle und spiegeln Kleists eigene Faszination für Rhythmus und Ausdruckskraft wider. Die Punk-Oper "Schroffenstein: In Grund und Boden" verbindet Arien, Punk-Hymnen und gesprochene Szenen. Neben den Aufführungen widmen sich eine Ausstellung und ein Chorkonzert der Frage, wie Kleists Werk mit aktuellen Themen wie Klimawandel und politischer Polarisierung verknüpft ist.
Kleists Ruf hat sich seit den 1980er-Jahren stetig gefestigt. War er einst ein Nischenautor der Romantik, zählen Werke wie "Michael Kohlhaas" oder "Penthesilea" heute zum Standardrepertoire im Schulunterricht. Auch an Universitäten wird sein Schaffen zunehmend multiperspektivisch analysiert – über die klassische Literaturkritik hinaus fließen nun postkoloniale, genderbezogene und psychoanalytische Ansätze ein.
Das Festival 2025 verbindet Theater, Literatur und Debatte und stellt Bezüge zwischen Kleists Erbe und den Herausforderungen der Gegenwart her. Mit einem Programm, das von Punk-Opern bis zu Schulklassikern reicht, spricht es sowohl langjährige Verehrer als auch neue Zielgruppen an. Weitere Feierlichkeiten sind bereits für 2027 geplant – Kleists Einfluss auf das deutsche Kulturleben bleibt damit ungebrochen.