Düsseldorfs "fiftyfifty" kämpft ums Überleben: Verkäufe brechen um 70 Prozent ein
Susanne BachmannDüsseldorfs "fiftyfifty" kämpft ums Überleben: Verkäufe brechen um 70 Prozent ein
Düsseldorfs "fiftyfifty"-Magazin – eine Lebensader für obdachlose Verkäufer:innen – verzeichnet einen drastischen Rückgang der monatlichen Verkäufe. Die Auflage ist in den letzten Monaten von 40.000 auf unter 12.000 Exemplare eingebrochen. Der Schwund spiegelt nicht nur die allgemeinen Schwierigkeiten der Printmedien wider, sondern wird zusätzlich durch eine wachsende Feindseligkeit gegenüber den Verkäufer:innen verschärft – viele von ihnen haben Migrationshintergrund.
Das Magazin, das von Obdachlosen verkauft wird, finanziert mit den Erlösen aus Verkäufen und Spenden lebenswichtige soziale Projekte. Ohne diese Einnahmen drohen Initiativen wie Straßenhilfe, medizinische Versorgung für herrenlose Hunde oder Wohnraumunterstützung zu scheitern. Für die Verkäufer:innen bedeutet "fiftyfifty" weit mehr als nur Geld: Es gibt ihnen Struktur, Würde und ein Gefühl der Zugehörigkeit.
Um den sinkenden Absatz entgegenzuwirken, wurde der Preis des Magazins auf 3,40 Euro angehoben – dennoch bleibt es günstiger als Alltagsprodukte wie Kaffee oder Fahrkarten. "Fiftyfifty" existiert auch digital und funktioniert wie eine Loskarte: Die Verkäufer:innen behalten die Hälfte des Erlöses pro Verkauf.
Die Krise betrifft nicht nur Düsseldorf. Mindestens zehn weitere deutsche Straßenzeitungen, darunter das "Berliner Stadblatt" und die "Münchner Straßenzeitung", haben seit dem Vormarsch der Digitalisierung 50 bis 80 Prozent ihrer Verkäufe verloren. Viele reagieren mit Anpassungen: Sie entwickeln Apps, kooperieren mit Lieferservices wie Lieferando oder sichern sich staatliche Zuschüsse, um die Druckkosten zu subventionieren.
Doch "fiftyfifty" ist mehr als nur ein Finanzierungsinstrument – es dient auch als Sprachrohr, das Ungerechtigkeiten aufdeckt und sich gegen die Diskriminierung obdachloser Menschen stellt. Durch seine Sichtbarkeit lenkt es die Aufmerksamkeit auf soziale Missstände, die sonst oft übersehen werden.
Der Rückgang der Verkäufe gefährdet nun sowohl das Überleben des Magazins als auch die von ihm unterstützten Projekte. Die Verkäufer:innen, die ohnehin vermehrt Rassismus erfahren, sind gezwungen, sich auf eine Mischung aus Print, Digitalangeboten und öffentlicher Förderung zu stützen, um "fiftyfifty" am Laufen zu halten. Die Zukunft des Magazins hängt davon ab, ob es gelingt, Tradition mit neuen Strategien zu verbinden – um über die Runden zu kommen.