14 April 2026, 10:33

Dichand-Familie übernimmt Kronen Zeitung – ein Medien-Meilenstein mit Folgen

Titelblatt einer deutschen Zeitung vom 13. November 1939, betitelt 'Weitpreubliche Zeitung', das eine Gruppe von Menschen in traditioneller deutscher Kleidung in einer feierlichen Umgebung zeigt.

Dichand-Familie übernimmt Kronen Zeitung – ein Medien-Meilenstein mit Folgen

Die Familie Dichand steht kurz davor, die volle Kontrolle über die österreichische Kronen Zeitung zu übernehmen – ein Meilenstein, der die Medienlandschaft des Landes nachhaltig verändern wird. Dieser Schritt ist das Ergebnis einer langen Geschichte der Medienkonzentration, deren Wurzeln bis zur Gründung der Zeitung im Jahr 1959 zurückreichen. Gleichzeitig wirft die Transaktion Fragen zur Zukunft von Mediaprint auf, einer zentralen Branchenpartnerschaft, die durch rückläufige Verkaufszahlen im Printbereich unter Druck gerät.

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Die Kronen Zeitung wurde 1959 von Hans Dichand ins Leben gerufen, der für die Anfangsfinanzierung Kurt Falk gewann. Falk hielt bis 1987 einen 50-Prozent-Anteil, bis die Familie Dichand begann, die Eigentumsverhältnisse zu konsolidieren. Nun hat Christoph Dichand, der heutige Verleger, die Zustimmung erhalten, die verbleibenden Anteile von der deutschen Funke-Mediengruppe zu übernehmen. Sollte der Deal unter Dach und Fach gebracht werden, läge die Zeitung künftig vollständig in den Händen der Dichand-Geschwister: Christoph, sein Bruder Michael (ein Biobauer) und die Schwester Johanna (eine Kunstsammlerin). Damit erfüllen sie einen langgehegten Wunsch ihres verstorbenen Vaters Hans.

Die Verbindung zur Funke-Gruppe reicht bis zu deren Vorgängerin, der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ), zurück, die 1948 von Jakob Funke, dem Sohn eines Krupp-Schlossers, gegründet wurde. Über Jahrzehnte wuchs die WAZ zum größten Regionalverlag Deutschlands heran und dehnte ihren Einfluss bis nach Österreich aus. 1988 schloss sie sich mit der Kronen Zeitung und dem Kurier zusammen, um Mediaprint zu gründen – ein Joint Venture, das für Anzeigen, Druck und Vertrieb zuständig ist, nicht jedoch für redaktionelle Inhalte. Kritiker werfen seitdem die Frage auf, ob diese Struktur indirekten Druck auf Medienhäuser ermöglicht – besonders vor dem Hintergrund der Verbindungen zwischen finanziellen Förderern und politischen Gruppen wie der Österreichischen Volkspartei (ÖVP).

Doch nicht nur die Eigentumsverhältnisse stehen im Fokus: Angesichts sinkender Auflagen im Printbereich und des Aufstiegs digitaler Plattformen wird auch die Rolle von Mediaprint neu bewertet. Die Zukunft der Partnerschaft bleibt ungewiss, während sich die österreichische Medienlandschaft in einen größeren europäischen Trend der Konzentration und politischen Verflechtung einreiht.

Die vollständige Übernahme der Kronen Zeitung durch die Familie Dichand würde einen Prozess abschließen, der vor über 60 Jahren begann. Während Mediaprint mit Umbrüchen kämpft, unterstreicht der Deal die sich wandelnde Balance zwischen traditionellen Printmedien und der digitalen Transformation. Die Folgen werden nicht nur die Ausrichtung der Zeitung prägen, sondern auch das gesamte Medienumfeld Österreichs.

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